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Image ist was andres als die Wahrheit

Heute ist es kalt. Mitten im Sommer habe ich meine Honda Repsol Jacke an. Ich liebe dieses Ding und trotzdem trage ich die Jacke nie ausserhalb von Haus oder Garten. Sie ist einfach zu cool und würde mancheinen, der mich kennt vielleicht ein bisschen verstören. Und da sind wir auch schon mitten im Thema. Das beschäftig mich. Wir alle haben irgend ein Image. Manche bewusst und manche unbewusst, aber wir haben eins. Es gibt Dinge, die man uns zutraut und andere wiederum nicht. Su, die ist so ein bisschen öko, sie achtet auf ihre Nahrung und limitiert auch das Fliegen, sie schwärmt für Greenpeace und will so wenig wie möglich Plastik im Haus. Und dann kommt sie mit einer Moto-Racing Jacke? Honda, Repsol und Gas Werbung drauf. Ne das geht nicht.

Zugegeben, ich gehöre vermutlich eher zu den Menschen, die sich über Image und solche Sachen eher bewusst sind. Das mag an meinem Job liegen, da hab ich viel mit PR und Kommunikation zu tun. Natürlich denke ich so auch viel über non-verbale Kommunikation nach. Die Jacke ist so eine.

Ich glaube jeder hat im Leben solche Themen und ich freue mich immer, wenn ich das bei anderen entdecke. Denn dann fühl ich mich wieder ok mit diesen zwei Seiten. Ach was, es sind natürlich noch viel mehr. Wir wissen alle, dass es so ist. Wie fad wär das Leben, wenn alle nur eine Facette hätten und immer tun würden, was wir von ihnen denken (bzw. auch erwarten). Wir könnten uns nicht mehr in spannende Unterhaltungen manövrieren und wohl auch nicht mehr dazu lernen. Wir würden ja denken, schon alles (vom anderen) zu kennen. Dabei mag ich besonders Gespräche mit guten Freunden, die ich schon ewig kenne.

Letztens hatte ich so eins. Ich telefonierte mit meiner langjährigen Freundin Marion. Wir sind seit 19 Jahren befreundet und kennen uns recht gut. Ich denke, ich weiss, wie sie ist. Kenne ihr Image. Während wir also so reden, klicke ich ein bisschen in ihrem Facebook Profil herum und stelle fest, dass sie eine Seite geliked hat, namens Karl Marx. Mitten im Satz unterbreche ich sie, entschuldige mich zwar gleich wieder, als ich bemerke, wie blöd ich war. Aber muss loswerden, was ich gesehen habe. „Was, du magst Marx?“ Darüber haben wir ja noch nie gesprochen. Wir wären nie auf die Idee gekommen. Ich bitte dich, Marx. Davor bin ich vor etwa 25 Jahren quasi davon gelaufen. Und so passte es einfach nicht ins Bild des jeweils anderen, obwohl wir beide sehr interessiert an Philosophen sind.

Nach ein bisschen drüber reden und nachdenken fiel uns auf, dass es eigentlich schon zum jeweils anderen passe. Eben nur nicht auf den ersten Blick. Es war einfach eine ganz andere Seite der vielen Dimensionen.

 

honda-jacke1Und so ist das wohl auch mit meiner Jacke. Dort kann ich nur keinen zusätzlichen Zettel hinterlassen, dass es einen bestimmten Grund hat, dass ich sie mag. Man müsste mich schon darauf ansprechen und mir sagen, sie passt nicht zum Image. Dann würde ich antworten. Was für ein Image? Sind es nicht viele verschiedene?

Vielleicht entstünde dann eine spannende Unterhaltung über das, was ein Mensch ist. Das was man in Wahrheit ist, hinterm Image. Diese philosophische Frage kann ich mir nur selten beantworten. Es ist mir schon gelungen, in tiefer Meditation und Abwesenheit von Gedanken. Aber erklären kann ich es nicht, denn wie gesagt, ich kann es nur erkennen, ohne meinen Intellekt zur Hilfe zu haben. Entsprechend kann ich mir das was ich bin auch nicht auf ein Kleidungsstück schreiben. Vielleicht ist das der wahre Grund, warum Yogis weiss tragen….

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Ohne Vision zum Ziel

Frage: Wo siehst Du Dich in 3 Jahren, was ist Deine Vision?
Antwort: Äähm, ja, also.., keine Ahnung, ist mir egal.

Diese flapsig anmutende Antwort ist von mir. Dabei ist sie nicht oberflächlich und gleichgültig, wie der Fragende interpretieren könnte. Genau genommen ist sie das Ergebnis jahrelanger Arbeit an meinen eigenen Denkstrukturen.

Im Yoga und auch in verschiedenen Religionen, in denen Meditation praktiziert wird, gibt es ein einziges
grosses Ziel. Selbstverwirklichung (Samadhi) heissts in der Yogaphilosophie. Damit ist keineswegs ein besonderer Job oder ein riesiges Haus gemeint, sondern das Ruhen des Geistes, damit der Mensch sein wahres Wesen erkennen kann und darin verweilt. Dafür braucht es ständiges Üben ohne Fokus auf das Ziel. Der Suchende erlernt, u.a. Konzentration und seine Gedanken zuerst zu beobachten und später, sie abzuschalten. Sind sie einmal ruhig geworden, ist man im Hier und Jetzt präsent. Es beginnt die eigentliche Meditationspraxis. Einssein mit dem Universum, mit dem Meditationsgegenstand, mit der Lebensenergie, oder der göttlichen Kraft (je nach Religion oder Verständnis).

Das eigentliche Ziel dahinter:
Im Moment des Todes, in diesem Überbewusstsein zu weilen, ohne gedanklich (an Weltliches z.B.) gebunden zu sein und somit Maha-Samadhi (Maha bedeutet in etwa: gross) zu erreichen. (Dazu später hier mal mehr)

Lieber im Hier und Jetzt zufrieden, als Visionen
Lieber im Hier und Jetzt zufrieden, als Visionen

Das ist nicht einfach von heut‘ auf morgen erlernbar, schon weil unsere Gedanken auf Ziele und Zukunft trainiert sind. Das ist unsere westliche Kultur. Manche Menschen üben lebenslang und andere erhaschen gleich zu Beginn einen meditativen Zustand. Leider fehlen mir die Worte zum beschreiben. Weil es ein gedankenloser Zustand ist, kann man sich während der Meditation keine Notizen für spätere Erklärungen zurecht legen.

Nun übe ich seit Jahren, Konzentration und den Fokus auf das Hier und Jetzt, und ganz nebenbei sind mir dabei unnütze Visionen abhanden gekommen. Gierige Wunschvorstellung, was alles noch schöner sein könnte zum Beispiel. Ich praktiziere das Zufriedensein und Flexibilität für die äusseren Umstände, denen ich mich am Liebsten einfach anpassen können möchte.

Das heisst nicht, das mir die Dinge gleichgültig sind und ich keine Ziele hab. Aber diese sind eher geistiger Natur: Ich wünsche mir, irgendwann immer aus dieser Mitte heraus agieren zu können.

Ich hab also doch eine Vision, aber diese Antwort passt nicht auf die obige Frage, glaub.

PS: Aus dieser Kraft heraus kann man sich auch für eine Verbesserung einsetzen. Denn zu tun gibt es noch genug weltweit. Über diesen vermeintlichen Wiederspruch schreib ich demnächst mal hier.