Yoga macht geduldig

Geduld, nicht gerade meine natürliche Stärke. Und seit ich Online Branche arbeite, wird das nicht gerade besser. Oje, da hab ich 1999 angefangen. Aber wenn ich mich entsinne und auf den Moment fokussiere, ist es viel einfacher für mich, geduldig zu sein. Irgendwie hat Geduld ja auch mit einer Erwartung zu tun. Lasse ich diese einfach weg, um einfach nichts zu projizieren, funktioniert es schon besser. Schlussendlich brauchen die Dinge ihre Zeit, ob ich innerlich drängle oder nicht. Es ist einfach so, also kann ich es auch annehmen und Tee… na ihr wisst schon.

Ich wollte vorallem mal das Bild beschreiben, hier seht ihr klar, wer von uns beiden der Geduldigere ist.

Yoga macht geduldig
Yoga macht geduldig
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Handy ist da – Mensch aber nicht

Heute hab ich einen schönen und kritischen Beitrag über Handynutzung gelesen und mich daran erinnert, dass ich schon lange mal ein paar Worte dazu aufschreiben wollte. Den einen oder anderen wird es vielleicht verwundern, dass ich so denke. Denn als Social Media Biene wird mir gern mal unterstellt zugetraut, dass ich nicht abschalten kann.

Diese Einstellung aber kommt bestimmt aus meinem Yogaleben. „Oh du lebst also in zwei Leben“ ist die übliche Antwort, die ich oft in Kursen (für Unternehmenskommunikation) höre.

Praktiziert man Yoga mit all seiner Philosophie dahinter, wird diese oft zu einer tieferen Lebenseinstellung. Es findet nicht nur auf der Matte statt. Das grosse Ziel im Yoga ist Samadhi. Der Zustand des absoluten Bewusstseins, der mit Worten nicht zu beschreiben ist, auch wenn ich es hier immer wieder mal kläglich versuche. Um diesen Zustand zu erreichen braucht es Übung, viel mehr Übung als ich in meinem Alltag unterbringen kann übrigens. Jedenfalls üben Yogis Gedankenkontrolle und vorallem die Abwesenheit von Gedanken (und Wertungen etc.). Also Nichthandeln und auch (durch) Nichtdenken um dem Sein (nicht nur dem eigenen) Raum zu geben. Meditation ist eine Übung dafür.

So ist es für mich eigentlich logisch, dass ich regelmässig abschalte, also nicht nur den Laptop, sondern auch Handy und Gedanken. Denn die verursachen allesamt Lärm im Kopf, was uns widerum unkonzentriert und manche Menschen auch Leiden macht. Und was ich noch viel interessanter finde.

Es macht unbewusst.

Das heisst, wir sind nicht in diesem Moment präsent, denn unsere Aufmerksamkeit ist bei einem Beitrag, einem Like und keinesfalls dort wo ich gerade physisch bin. Wir kennen alle schlafwandlerische Leute am Bahnhof und ich bin das selbstverständlich auch gelegentlich.

Ich liebe diese Art der Kommunikation, sonst wäre es nicht mein Beruf. Jedoch, stelle ich gerne die persönliche Kommunikation vorne an. „Ich treffe meine Freunde lieber zum Kaffee als in Facebook“ auch das ein allzeit beliebtes Vorurteil, dass ich höre von Leuten die skeptisch gegenüber Online Kommunikation sind (ausser E-Mail und googlen).

„Nun, ich treffe meine Freunde auch lieber real“
Dabei mag ich es nicht, wenn ich mit jemandem am Tisch sitze und er oder sie hantiert dauernd mit dem Handy oder Pad herum. Das Gespräch hat dann nicht mehr die gleiche Intension. Weil wir ja nicht präsent sind, also nicht da. Das wird im Video aus o.g. Beitrag schön sichtbar, wenn man in die Gesichter schaut.


 

Versteht mich nicht falsch, ich finde es sehr bereichernd, mal schnell etwas nachzuschauen oder ein Bild zu zeigen, aber nebenher mit anderen zu sms-en (whatsapp-en) oder das Date gleich live zu dokumentieren. Das liegt mir nicht, obwohl ich auch an manchen Tagen immer mal wieder checke, ob es nicht einen Kommentar freizuschalten gibt oder einen Tweet zu beantworten. Das mag ich auch an mir dann nicht. Es ist eine gute Übung, es dann wahrzunehmen und für ein paar Stunden einfach zu verschieben.

Irgendwie lustig, dass manche Plattform Inaktivität sogar ein wenig abstraft und die Inhalte der zurückhaltenden Person nicht mehr so präsent bei den anderen anzeigt.

Präsenz der Person heisst dann weniger Präsenz in den Medien.

strange, irgendwie.

Universum in 3 Minuten

gerade hab ich einen schönen Link entdeckt, bei Gustavo (in FB) den muss ich einfach aufheben. Also den Inhalt vom Link. Nicht einfach bookmarken, sondern richtig aufheben. Dazu hab ich mehrere Möglichkeiten.

  1. Aufheben im Kopf, in dem ich den Inhalt verstehe und gelegentlich zitiere. (Intellekt)
  2. Aufheben im Web, zum Beispiel in einem Bookmark Tool (sowas erkläre ich auf diesem Blog nicht wirklich 😉  (ausserhalb des Intellekts aber mit Merkwörtern, Tags)
  3. Teilen, damit ich den Inhalt auch selbst jederzeit finde und 1. wertvoller ist, wenn ich über das Video spreche, kann ich ergänzen, „schaus dir mal an“. Also einmal reicht wahrscheinlich nicht, vielleicht  fünfmal?

Der Sprecher nimmt das mit dem „jetzt“ ein bisschen sehr wörtlich und versucht ein paar Minuten zu komprimieren, bis es fast das Jetzt ergibt. Er möchte in 3 Minuten erklären wie das Universum funktioniert. Eine der Essenzen ist, dass es vorallem ums Jetzt geht. Da dies quasi Yoga-Philosophie ist, landet das Video auch hier. Verzeiht ihm einfach das schnelle reden 😉

… seht selbst.


Danke Gu.

Tiefenentspannung Mangelware

Leider begegnen mir heutzutage immer öfters sogar junge Menschen, denen der Alltag zu viel wird, emotionale Belastung, körperliche Verspannungen, Schlafstörungen, Herzrasen, oder Stolpern, keine Zeit für irgendwas Privates. Geschweige denn Sport. Dabei wäre Bewegung schon mal das erste Mittel, um überschüssiges Adrenalin loszuwerden. Einfach mal rennen und/oder schreien. Alle sind noch schneller unterwegs, kommunizieren noch mehr, posten, Erreichbarsein, kommentieren, Community managen und private Whatsapp Gruppen auch noch jonglieren.

Erst wenn man nicht mehr kann…

Die Menschen suchen Hilfe bei einem Arzt und wenn alle körperlichen Dinge gecheckt sind gibts entweder Psychotherapie, Antidepressiva (!) oder den weisen Rat. „Sie müssen sich entspannen“. „Ja, ok mach ich, weiss ich ja“ denkt sich der/die Betroffene.

Daheim angekommen wird schnell klar. „Wiiiee?“

Was ich bis jetzt in solchen Erzählungen wirklich jedesmal vermisse, sind (ich nenne das) Erste-Hilfe-Massnahmen, um die Notsituation, die im Körper ausgebrochen ist, zu entschärfen und Fragen nach:

Erste Hilfe bei Burnout Gefahr

  • Redbull schon am Morgen im Zug, kalter Kaffe in Plastikbechern mit Unmengen Zucker und Geschmacksverstärkern, würd ich mal weglassen.
  • Kaffee, Cola, Schwarztee, Redbull und Alkohol (alle Stimulanzien, Drogen) weglassen
  • Fleischverzehr zurück fahren (u.a. weil bei konventioneller Produktion die Tiere vor der Schlachtung Adrenalin ausschütten)
  • Sanfte Mittel zum Schlafen, bspw. Zeller
  • Handy: Push Notifications ausschalten, nachts Flugmodus und wlan aus, wenn möglich
  • Mineraliencheck im Blutbild (Eisen, B-Vitamine etc.)
  • Wechselatmung (heisst Anuloma Viloma) erlernen. Diese harmonisisert u.a. Sympathikus und Parasympathikus (das ist der Part im vegetativen Nervensystem, der seinen Job verweigert in solch einer Situation), harmonisiert die Aktivitäten und Energien der Hirnhälften untereinander, bringt den Geist (Denken) zur Ruhe
  • Tiefenentspannung erlernen (das geht am besten in einer Yogaschule, leider lassen manche Fitness-Center das weg (spiritueller Kram)

Sukadev erklärt in seinem Video wunderbar, was zu tun ist.

Das Harmonium (Musik) am Anfang ist für Starter vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, lass das gedanklich einfach mal beiseite oder besser noch dich drauf ein.

Das heisst nicht, dass diese Massnahmen eine langfristige Umstellung von Lebens- und Arbeitsgewohnheiten ersetzen. Denkgewohnheiten ersetzen und auch Yoga praktizieren braucht mehr als diese kurzen Hilfen. Aber eine erste Hilfe mit Wirkung gibt schonmal Hoffnung und ein wenig erholsamen Schlaf. Gute Erholung allen, die es betrifft.

 

bye bye Facebook, hello Yoga

Zugegeben das Loslassen ist nicht immer einfach, besonders wenn es um eine Möglichkeit geht, den Yoga zu teilen. Das haben wir jetzt mit einer Facebookseite seit 15 Monaten gemacht. Und unser Fazit. Die Leute, die sich fürs Thema interessieren interagieren im realen Leben sehr mit uns. Sie kommen in die Stunden, andere, für die wir zu weit weg sind, kommen gelegentlich zum Sonntagsyoga und es ist wirklich schön auch auf Empfehlungen zählen zu können. Der Blog funktioniert seit 4.5 Jahren sehr gut.

Aber ganz ehrlich, der Aufwand für die Facebookseite ist zu gross für uns, obwohl ich ja ein ausgesprochener Online Mensch bin. Ich denke, Yoga und seine Philosophie ist ein Lebensthema, dass sich am besten durch Praxis erfahren lässt. Auch eigene Praxis.

Es finden sich im Internet so viele Texte, Erfahrungsberichte, Blogs, Filme, die noch unentdeckt sind. Es war schön, diese aufzustöbern und auf der Facebookseite zu teilen. Aber die Ressonanz war dünn. So nehme ich das und lerne. Nicht jedes Thema eignet sich für Facebook und nicht jeder hat Lust, dem sogenannten Edge Rank zu dienen.

Für Einfach-Yoga ist der Blog und die Live Stunden der bessere Weg. Vielleicht auch weil der Yoga die Idee verfolgt, die dauernde Kommunikation einmal zu stoppen. Den Geist zu leeren, nichts du denken, damit sich das Sein ausbreiten kann.

Ich stelle hier noch einige Highlights zusammen von der vergangenen FB Seite nur der Nostalgie wegen und lasse das Experiment jetzt los und nutze die gewonnene Zeit für meine eigene Praxis auf der Matte und im Denken.

Denkübung Negativa

Gerade las ich den letzten Beitrag der Kolumne von Rolf Dobelli in der Sonntagszeitung. Er schrieb über die Via Negativa (den Artikel gibts leider nicht zum Verlinken, aber Ausszüge aus seinen Büchern). Wie ich lerne, ist dies ist ein Denkweg, den alte Pholosophen wie Michelangelos begingen und so das Perfekte erschufen. Auch beim Denken. Der Autor der Kolumne erzählt, wie Der Papst Michelangelo fragte „Verraten Sie mir das Geheimnis Ihres Genies. Wie haben Sie die Statue von David erschaffen – dieses Meisterwerk aller Meisterwerke?“ Michelangelos antwortete „Ganz einfach. Ich entfernte alles, was nicht David ist.“ Weiter im Text höre ich, dass die Theologen die ersten waren, die die sogenannte Via Negativa beschritten. Den Weg des Verzichts, Weglassens und Reduzieren.

Weiter im Text des Artikels: „…Wir wissen nicht was uns glücklich macht. Aber wir wissen genau, was uns unglücklich macht.“ Also beginnt man dort anzusetzen. Es ist einfacher, diese Dinge wegzulassen. Eine wirklich wertvolle Erkenntnis und ein toller Artikel.

Warum aber schreibe ich dann darüber, wenn doch alles schon gesagt ist.

Die indischen Philosophien kennen diese Technik der Negation schon seit Jahrtausenden (übrigens). Im Yoga heisst sie zum Beispiel Neti Neti. Hier geht es um die Frage nach dem wahren Selbst – oder auch „Wer bin ich wirklich?“ Dabei werden in einer Meditation alle Antworten verneint. Ich bin nicht dies ich bin nicht da. Das Ziel ist, den Geist soweit abzufragen, alle Identifikationen der Person auszuschliessen (z.B. ich bin nicht Lehrer, ich bin nicht Vater…) bis keine Fragen mehr sind (der Geist still wird und) bis etwas übrig bleibt, was die Yogis das Selbst nennen. Reines Sein.

Bevor es mir passiert mich in etwas hineinzureden, was man ohnehin nicht beschreiben kann, lass ich es gut sein. Neti, Neti halt.

Wer ist schon normal?

Manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken „es gibt so viele Psychos“ salopp gedacht ist es eine Aussage, die man hier und da auch gesprochen hört. Es ist meist nicht wirklich ernst gemeint.

Diese Woche begegnete mir in FB bei einem Studi ein Eintrag über einen Blog. In diesen Beitrag liess sich eine Person unter dem Deckmäntelchen irgendeiner Religion über einen Verstorbenen aus. Es ging um Dirk Bach und der Schreiber beschimpfte diesen über den Tod hinaus.

Der Studi und seine Freunde waren entrüstet über die tiefe Respektlosigkeit und auch ich war bei den ersten Worten, die ich las erschüttert. Dann, zum Glück kann ich selbst entscheiden, was ich lese und was nicht. Ein Klick und weg.

Leider können wir solche Meinungen im realen Leben nicht einfach weg klicken und auch nicht löschen, wie es die jungen Leute in der FB Diskussion sich wünschten. Sie sind einfach da. Als Teil des Ganzen, als Teil unserer Gesellschaft.

Was mich länger noch beschäftigte ist eine Erkenntnis. Wir gehen oft davon aus, dass Menschen Dinge sagen oder tun und dies bei vollem normalen Bewusstsein tun. Wir spiegeln die Handlung von anderen  auf unsere eigenen Werte und wie wir es tun würden und glauben es ist normal. Dies ist aber eine trügerische Illussion.

Denn jeder hat seine eigene Wahrheit, seine eigenen Erlebnisse und Gelerntes  (die wir nicht kennen). Dies zeigt sich im Laufe des Lebens immer und immer wieder. Es begegnen uns Aussagen, über die wir nur den Kopf schütteln können und denken „der oder die spinnt doch“ und weiter „er oder sie hat nicht recht“ „liegt falsch..“ etc. All diese Urteile fällen wir aus einer vermeintlichen Mitte heraus. Wir fühlen uns wie ein Richter, der genau weiss was gut und was falsch ist. Dabei treffen wir auch auf Menschen, die das gleiche denken und über unsere Einstellung urteilen. Aber wir sind doch der Richtige, der Normale und können es überhaupt nicht verstehen.

Ich glaube, es gibt das Normale oder den normalen Menschen nicht, nicht mal die Handlung die 100% richtig oder falsch ist. Aus yogischer Sicht ist sie einfach. Das ist nicht immer leicht, aber mal ein Anfang einer tiefergehenden Überlegung, die uns der Tolleranz ein Stück näher bringt. Ich jedenfalls bin nicht (mehr) normal 😉
PS: eine schöne Denkübung dazu ist. Ich laufe durch eine Stadt und denke „wie die Menschen alle grimmig kucken…“ und dann überlege ich „wie ich wohl gerade kucke, und niemand der anderen weiss, dass ich ausgerechnet heute einen wirklich traurigen Grund hab, nicht lächeln zu können“.

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