Archiv der Kategorie: Alltagsphilosophisches

Philosophie klebt am Nachdenken. Hier gehts um Alltag, das Leben meist aus Yoga-Sicht.

Handy ist da – Mensch aber nicht

Heute hab ich einen schönen und kritischen Beitrag über Handynutzung gelesen und mich daran erinnert, dass ich schon lange mal ein paar Worte dazu aufschreiben wollte. Den einen oder anderen wird es vielleicht verwundern, dass ich so denke. Denn als Social Media Biene wird mir gern mal unterstellt zugetraut, dass ich nicht abschalten kann.

Diese Einstellung aber kommt bestimmt aus meinem Yogaleben. „Oh du lebst also in zwei Leben“ ist die übliche Antwort, die ich oft in Kursen (für Unternehmenskommunikation) höre.

Praktiziert man Yoga mit all seiner Philosophie dahinter, wird diese oft zu einer tieferen Lebenseinstellung. Es findet nicht nur auf der Matte statt. Das grosse Ziel im Yoga ist Samadhi. Der Zustand des absoluten Bewusstseins, der mit Worten nicht zu beschreiben ist, auch wenn ich es hier immer wieder mal kläglich versuche. Um diesen Zustand zu erreichen braucht es Übung, viel mehr Übung als ich in meinem Alltag unterbringen kann übrigens. Jedenfalls üben Yogis Gedankenkontrolle und vorallem die Abwesenheit von Gedanken (und Wertungen etc.). Also Nichthandeln und auch (durch) Nichtdenken um dem Sein (nicht nur dem eigenen) Raum zu geben. Meditation ist eine Übung dafür.

So ist es für mich eigentlich logisch, dass ich regelmässig abschalte, also nicht nur den Laptop, sondern auch Handy und Gedanken. Denn die verursachen allesamt Lärm im Kopf, was uns widerum unkonzentriert und manche Menschen auch Leiden macht. Und was ich noch viel interessanter finde.

Es macht unbewusst.

Das heisst, wir sind nicht in diesem Moment präsent, denn unsere Aufmerksamkeit ist bei einem Beitrag, einem Like und keinesfalls dort wo ich gerade physisch bin. Wir kennen alle schlafwandlerische Leute am Bahnhof und ich bin das selbstverständlich auch gelegentlich.

Ich liebe diese Art der Kommunikation, sonst wäre es nicht mein Beruf. Jedoch, stelle ich gerne die persönliche Kommunikation vorne an. „Ich treffe meine Freunde lieber zum Kaffee als in Facebook“ auch das ein allzeit beliebtes Vorurteil, dass ich höre von Leuten die skeptisch gegenüber Online Kommunikation sind (ausser E-Mail und googlen).

„Nun, ich treffe meine Freunde auch lieber real“
Dabei mag ich es nicht, wenn ich mit jemandem am Tisch sitze und er oder sie hantiert dauernd mit dem Handy oder Pad herum. Das Gespräch hat dann nicht mehr die gleiche Intension. Weil wir ja nicht präsent sind, also nicht da. Das wird im Video aus o.g. Beitrag schön sichtbar, wenn man in die Gesichter schaut.


 

Versteht mich nicht falsch, ich finde es sehr bereichernd, mal schnell etwas nachzuschauen oder ein Bild zu zeigen, aber nebenher mit anderen zu sms-en (whatsapp-en) oder das Date gleich live zu dokumentieren. Das liegt mir nicht, obwohl ich auch an manchen Tagen immer mal wieder checke, ob es nicht einen Kommentar freizuschalten gibt oder einen Tweet zu beantworten. Das mag ich auch an mir dann nicht. Es ist eine gute Übung, es dann wahrzunehmen und für ein paar Stunden einfach zu verschieben.

Irgendwie lustig, dass manche Plattform Inaktivität sogar ein wenig abstraft und die Inhalte der zurückhaltenden Person nicht mehr so präsent bei den anderen anzeigt.

Präsenz der Person heisst dann weniger Präsenz in den Medien.

strange, irgendwie.

Advertisements

Universum in 3 Minuten

gerade hab ich einen schönen Link entdeckt, bei Gustavo (in FB) den muss ich einfach aufheben. Also den Inhalt vom Link. Nicht einfach bookmarken, sondern richtig aufheben. Dazu hab ich mehrere Möglichkeiten.

  1. Aufheben im Kopf, in dem ich den Inhalt verstehe und gelegentlich zitiere. (Intellekt)
  2. Aufheben im Web, zum Beispiel in einem Bookmark Tool (sowas erkläre ich auf diesem Blog nicht wirklich 😉  (ausserhalb des Intellekts aber mit Merkwörtern, Tags)
  3. Teilen, damit ich den Inhalt auch selbst jederzeit finde und 1. wertvoller ist, wenn ich über das Video spreche, kann ich ergänzen, „schaus dir mal an“. Also einmal reicht wahrscheinlich nicht, vielleicht  fünfmal?

Der Sprecher nimmt das mit dem „jetzt“ ein bisschen sehr wörtlich und versucht ein paar Minuten zu komprimieren, bis es fast das Jetzt ergibt. Er möchte in 3 Minuten erklären wie das Universum funktioniert. Eine der Essenzen ist, dass es vorallem ums Jetzt geht. Da dies quasi Yoga-Philosophie ist, landet das Video auch hier. Verzeiht ihm einfach das schnelle reden 😉

… seht selbst.


Danke Gu.

Denkübung Negativa

Gerade las ich den letzten Beitrag der Kolumne von Rolf Dobelli in der Sonntagszeitung. Er schrieb über die Via Negativa (den Artikel gibts leider nicht zum Verlinken, aber Ausszüge aus seinen Büchern). Wie ich lerne, ist dies ist ein Denkweg, den alte Pholosophen wie Michelangelos begingen und so das Perfekte erschufen. Auch beim Denken. Der Autor der Kolumne erzählt, wie Der Papst Michelangelo fragte „Verraten Sie mir das Geheimnis Ihres Genies. Wie haben Sie die Statue von David erschaffen – dieses Meisterwerk aller Meisterwerke?“ Michelangelos antwortete „Ganz einfach. Ich entfernte alles, was nicht David ist.“ Weiter im Text höre ich, dass die Theologen die ersten waren, die die sogenannte Via Negativa beschritten. Den Weg des Verzichts, Weglassens und Reduzieren.

Weiter im Text des Artikels: „…Wir wissen nicht was uns glücklich macht. Aber wir wissen genau, was uns unglücklich macht.“ Also beginnt man dort anzusetzen. Es ist einfacher, diese Dinge wegzulassen. Eine wirklich wertvolle Erkenntnis und ein toller Artikel.

Warum aber schreibe ich dann darüber, wenn doch alles schon gesagt ist.

Die indischen Philosophien kennen diese Technik der Negation schon seit Jahrtausenden (übrigens). Im Yoga heisst sie zum Beispiel Neti Neti. Hier geht es um die Frage nach dem wahren Selbst – oder auch „Wer bin ich wirklich?“ Dabei werden in einer Meditation alle Antworten verneint. Ich bin nicht dies ich bin nicht da. Das Ziel ist, den Geist soweit abzufragen, alle Identifikationen der Person auszuschliessen (z.B. ich bin nicht Lehrer, ich bin nicht Vater…) bis keine Fragen mehr sind (der Geist still wird und) bis etwas übrig bleibt, was die Yogis das Selbst nennen. Reines Sein.

Bevor es mir passiert mich in etwas hineinzureden, was man ohnehin nicht beschreiben kann, lass ich es gut sein. Neti, Neti halt.

Wer ist schon normal?

Manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken „es gibt so viele Psychos“ salopp gedacht ist es eine Aussage, die man hier und da auch gesprochen hört. Es ist meist nicht wirklich ernst gemeint.

Diese Woche begegnete mir in FB bei einem Studi ein Eintrag über einen Blog. In diesen Beitrag liess sich eine Person unter dem Deckmäntelchen irgendeiner Religion über einen Verstorbenen aus. Es ging um Dirk Bach und der Schreiber beschimpfte diesen über den Tod hinaus.

Der Studi und seine Freunde waren entrüstet über die tiefe Respektlosigkeit und auch ich war bei den ersten Worten, die ich las erschüttert. Dann, zum Glück kann ich selbst entscheiden, was ich lese und was nicht. Ein Klick und weg.

Leider können wir solche Meinungen im realen Leben nicht einfach weg klicken und auch nicht löschen, wie es die jungen Leute in der FB Diskussion sich wünschten. Sie sind einfach da. Als Teil des Ganzen, als Teil unserer Gesellschaft.

Was mich länger noch beschäftigte ist eine Erkenntnis. Wir gehen oft davon aus, dass Menschen Dinge sagen oder tun und dies bei vollem normalen Bewusstsein tun. Wir spiegeln die Handlung von anderen  auf unsere eigenen Werte und wie wir es tun würden und glauben es ist normal. Dies ist aber eine trügerische Illussion.

Denn jeder hat seine eigene Wahrheit, seine eigenen Erlebnisse und Gelerntes  (die wir nicht kennen). Dies zeigt sich im Laufe des Lebens immer und immer wieder. Es begegnen uns Aussagen, über die wir nur den Kopf schütteln können und denken „der oder die spinnt doch“ und weiter „er oder sie hat nicht recht“ „liegt falsch..“ etc. All diese Urteile fällen wir aus einer vermeintlichen Mitte heraus. Wir fühlen uns wie ein Richter, der genau weiss was gut und was falsch ist. Dabei treffen wir auch auf Menschen, die das gleiche denken und über unsere Einstellung urteilen. Aber wir sind doch der Richtige, der Normale und können es überhaupt nicht verstehen.

Ich glaube, es gibt das Normale oder den normalen Menschen nicht, nicht mal die Handlung die 100% richtig oder falsch ist. Aus yogischer Sicht ist sie einfach. Das ist nicht immer leicht, aber mal ein Anfang einer tiefergehenden Überlegung, die uns der Tolleranz ein Stück näher bringt. Ich jedenfalls bin nicht (mehr) normal 😉
PS: eine schöne Denkübung dazu ist. Ich laufe durch eine Stadt und denke „wie die Menschen alle grimmig kucken…“ und dann überlege ich „wie ich wohl gerade kucke, und niemand der anderen weiss, dass ich ausgerechnet heute einen wirklich traurigen Grund hab, nicht lächeln zu können“.

Innere Heilung von aussen

Wir haben oft den Gedanken, etwas einnehmen zu müssen, um äussere Dinge zu verändern, ich meine körperliche Gegebenheiten, den Haut-Ausschlag, das Übergewicht (das manchmal nur die Person selbst als solches empfindet) und ja sogar, wenn Menschen in der Welt hilflos sind, mit äusseren Umständen überfordert, gibt es eine Pille. Wir heilen von innen nach aussen.

 

 

 

 

Heute bekam ich via Twitter eine schöne Story über Arthur Boorman, die ich mit euch teilen möchte. Auch wenn es hier auf den ersten Blick um eine äussere Heilung geht, ist es in meinen Augen mehr. Yoga kommt von yui = verbinden, anjochen. Diese jahrtausendalte Philosophie ist nicht nur um den Körper zu verändern, flexibel zu gestalten, was hier im Westen gern gesehener Effekt ist.

Auch nicht nur Entspannung vom Alltag, sondern vorallem eine innere Heilung von Gedankenmustern, ich glaube sogar eine Heilung von alten Glaubensgrundsätzen. Einfach weil man lernt bei sich oder „sich selbst“ zu sein, wirklich zu sein, abseits von Gedanken, Sorgen oder Ängsten.

In diesem Blog hebe ich gerne hervor, dass die geistige Arbeit, die Meditation und das hohe Ziel des Yoga der sogenannte Samadhi ist. Und ich ertappe mich auch dabei, selbst andere Sportarten wie (und manchmal statt) Yoga zu praktizieren. Sogar, den im westen bekannten Hatha Yoga (körperübungen orientierter Weg) zu unterschätzen und mehr als Einstieg in einen neuen Lebensweg zu stärken. Aber das ist er nicht allein.

Asanas (Yogaübungen) können heilsam sein, die unendlichen körperlichen Wirkungen auf Drüsen, Knochen, Herz-Kreislauf sind viel beschrieben und auch oft ein gutes Argument für Neu-Einsteiger.

Doch hier im Film gehts um Heil-Werden. Seht selbst. Danke  Marcel für die Inspiratio

Erster! unser neues Facebook Profil

naja wahrscheinlich nicht ganz erster, aber wir wollten es schnell sehen und sind jetzt mit dem chicen neuen Facebook Profil da. (ist erst seit heute möglich für Seiten 😉 Wir freuen uns, wenn ihr gelegentlich vorbei kommt. Dort gibt es leicht verdauliche Philosophie, Yogatipps, auch mal eine Entspannungsübung, Events, Bilder und was uns und die Yogis, die wir kennen, sonst so bewegt. Ihr seid herzlich willkommen auch dort.

Einfach Yoga in Facebook
Einfach Yoga in Facebook

klick, Freund, Austausch.

Yoga mit DVD oder Lehrer

Swami SivanandaLetztens habe ich in Twitter aufgeschnappt, dass jemand gerne mit Yoga beginnen wollte aber nicht mit einer/m Lehrer/in, sondern einer DVD. Es ist wertvoll, sich zu informieren, worauf man sich einlässt und auch ich habe genügend Bücher, dass ich eine Bibliothek eröffnen könnte. Doch Swami Sivananda sagte einen gewichtigen Satz. „Ein Gramm Praxis ist besser als Tonnen von Büchern“. Die gefühlten Tonnen hab ich verschlungen, die übrigens der Meister selbst auch schrieb, um den Samen des Yoga auf intellektuellem Wege zu legen, damit die Menschen zur Praxis kommen. Und auch heute finde ich oft Inspiration in Schriften, Gesprächen, Blogs und Filmen.

Sehen wir uns den Intellekt, den wir dazu brauchen einmal genauer an.
Beim Yoga benutzen wir unseren Intellekt dazu, uns zu konzentrieren, die eigenen Gedanken zu beobachten und vorallem einmal leise werden zu lassen. Möglichst von unruhigen Gedanken über Nicht-denken bis hin zur Meditation und reinem Sein. ‚Yoga ist das Zur-Ruhe-bringen des Geistes, dann ruht der Sehende in seinem wahren Selbst.‘ die Beschreibung von Patanjali. Darin verstehe ich, dass es nicht aufgehen kann, wenn wir ausschliesslich mit dem Geist (als Zuschauer eines Films zum Beispiel) praktizieren. So kommen wir immer wieder in den unruhigen Zustand, eine Übung auszuführen und doch immer wieder zum Bildschirm zu schielen, ob wir es auch richtig tun. Um Überlegen und Nachmachen geht es aber beim Yoga nicht in meinen Augen.


Welche Rolle spielt der Körper beim Üben?

Diesen brauchen wir natürlich für die Übungen und auch als Heimat des besagten Seins, um das es schlussendlich geht. In der Tradition von Swami Sivananda sehen die Übungen übrigens so aus. (schon wieder ein Film, den wir mit dem Intellekt ansehen 😉


Ein schöner Einblick, aber dennoch bleiben wir hier Zuschauer und Denker. Ich glaube, dass multimediale Stunden nicht die Praxis in einer Yogaklasse mit einem physisch anwesenden Lehrer ersetzen. Er oder sie korrigieren Positionen, damit keine Schäden an Wirbelsäule und Gelenken entstehen und der Teilnehmer sich ums Sein kümmern kann. Yogalehrer erinnern an die ruhige Atmung, philosophische Aspekte und dass es nicht um Wettbewerbe geht. Auch die individuelle Tagesform können sie wahrnehmen und berücksichtigen. Energetische und geistige Wirkungen der Übungen können sie je nach Situation vermitteln. Auch Meditation lässt sich mit Anweisung leichter erlernen. Der Übende kann anfangs nur schwer gedanklich selbst ansagen und gleichzeitig ausführen. Was später selbstverständlich möglich ist. Ich bevorzuge auch die Yogapraxis ausserhalb einer Klasse, ja sogar ausserhalb der Matte. Dennoch lerne ich jedesamal in der Stunde dazu und schätze die Atmosphäre einer Yoga-Gruppe. Das Wort Yoga kommt übrigens aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie verbinden, andocken (mit dem Selbst).

Ebenfalls in Twitter entdeckte ich einen Artikel (Danke Markus) darin geht es um mögliche körperliche Schäden, die geradezu provoziert werden, wenn die Übungen als Wettbewerb verstanden und so missbraucht werden. Auch diesen Aspekt möchte ich erwähnen. Es werden heute an vielen Orten Kurse zwar so genannt aber nicht mit dem echten Sinn des Yoga ausgeführt. Stattdessen geht es um Äusserlich- und Eitelkeiten, die aber so gar nichts damit zu tun hat, was in den alten Schriften steht. Seid vorsichtig und hört auf den Bauch statt Kopf. Nicht nur beim Yoga.