Wenn der Igel doch ein Fell hätte

Ich hab keine Ahnung wie lange es her ist, als ich zum erstenmal in einem Buch vom Dalai Lama diesen Satz las: „Die Dinge sind wie sie sind.“ (es soll auch Aristoteles gesagt haben) Nicht dass ich alles verstanden oder je ein Buch von ihm zu Ende gelesen hätte. Warum weiss ich nicht. Normalerweise verschlinge ich Philosophie, besonders die indischer Abstammung. Na egal. Aber besagter Satz sollte später doch mein Denken nachhaltig verändern.

Heute ist er mir wieder durch den Kopf geschossen, als mir eine Freundin von ihrem Freund erzählte. Er ist gelegentlich etwas schroff zu ihr und sie möchte gern, dass er liebevoller ist. Wir haben uns darüber unterhalten und waren uns schnell einig, dass niemand von einem anderen etwas derartiges verlangen kann (egal wie man es findet). Es geht einfach nicht. Zuwendung, Freundlichkeit oder auch Gesten kommen von Herzen und sind sehr aufrichtig. Sie lassen sich nur schwer über einen längeren Zeitraum spielen. Man spürt es einfach, wenn es antrainiert ist. Damit verteidige ich natürlich nicht unflätige Äusserungen von beispielsweise hormonverwirrten Teenagern.

Aber ich glaube, alles was wir verlangen können im gegenseitigen Umgang ist unsere eigenen Aktion. Ich kann nur selbst korrigieren was ich denke, sage oder tue. Fordern von anderen bringt höchstens Trotz oder angestrengt aufgesetzte Höflichkeit. Ich möchte mich aber nicht zu sehr in Umgangsformen in der Gesellschaft verlieren, denn mir geht es um den Umgang zweier sich liebender Menschen.

Ich hab nach dem Dalai Lama-Buch-Versuch in einem anderen Buch gelesen, „wenn er Ihre Telefonnummer nicht verlangt, ist er nicht interessiert. Punkt.“ Natürlich hatte ich als emanzipierte Frau unglaublich Mühe mit der Aussage, das Buch flog buchstäblich in die Ecke. Bis ich endlich viel später Frieden schliessen konnte mit dem Gedanken. Es ging, so glaube ich heute, gar nicht um die Rollen männlich oder weiblich, vielmehr um die Aufrichtigkeit dahinter. Wenn es richtig ist und beide aneinander interessiert sind, dann fragt jemand nach der Nummer.
Übertragen auf den Umgang miteinander, heisst das für mich. Wenn ich jemanden liebe, mag oder schätze, behandle ich ihn/sie auch so. Vermutlich ist das bei allen Menschen so. Es könnte so einfach sein, wenn wir akzeptieren, was ist, also auch, wie der andere uns gegenüber ist. Denn dann handeln wir mit Respekt, setzen Erwartungen zurück (die ohnehin Enttäuschungen mit sich bringen) und können auch mit Fehlerchen anderer leichter Leben. Klar kann man dem anderen auch sagen, wie man sich bei dessen rohem Benehmen fühlt. Es gibt viele Arten Kommunikationsprobleme zu lösen. Aber eben immer nur die eigenen, nicht wirklich, die der andren.

Mein Kater hat von Haus aus Fell (keine Stacheln)
Mein Kater hat von Haus aus Fell (keine Stacheln)

Achso, wie kam ich auf den Igel. Heute im Gespräch mit der Freundin kam mir die Aussage, dass die Dinge so sind wie sie sind, unangemessen und platt vor. Sie passte einfach nicht. Zu direkt. Darum sagte ich meiner Freundin, ihr Partner ist wie ein Igel, mal mit angelegten Stacheln und mal mit aufgestellten. Es ist seine Natur. Es war schon so, als die Beiden sich zum erstenmal trafen. Doch nun wünscht sie sich ein Fell. Das ist vollkommen legitim, aber ihm wird auf die Schnelle wohl keines wachsen, ausser er sorgt selbst dafür.

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2 Kommentare zu „Wenn der Igel doch ein Fell hätte“

  1. „Wenn ich jemanden liebe, mag oder schätze, behandle ich ihn/sie auch so. Vermutlich ist das bei allen Menschen so. “

    Ach, wenn du nur recht hättest! Hast du nie Menschen gekannt, die ein Problem mit Nähe haben? Die sich umso abweisender und seltsamer verhalten, je mehr ihnen ein Kontakt bedeutet?
    Die sind gar nicht so selten, sowohl in der weiblichen wie in der männlichen Variante. Sie haben z.B. kein Selbstwertgefühl und glauben nicht, dass jemand sie lieben kann. Oder sie sind enttäuscht worden und nun extrem misstrauisch… oder sie sind „Borderliner“, ein Etikett, dass heute vielen aufgedrückt wird, die im Zwischenmenschlichen eher problematisch agieren.
    Jene, die ihnen nahe kommen wollen, haben oft selber ein Problem mit Nähe, das sie aber in solchen Beziehungen niemals spüren: der ANDERE ist es ja, der sich fortwährend entziehen will.

    Das ist mir alles spontan eingefallen angesichts deines Satzes. Bitte nicht als Kritik verstehen, ich stimme dir durchweg zu. Bzw, wünsche mir, dass alle so sein könnten: akzeptieren, was ist – dann könnte sich manches verkorkste um-die-Ecke-Verhalten gar nicht erst enfalten.

    1. Danke Dir liebe Claudia, und ich wuensche mir mehr so aufmerksame Menschen wie Du. Beobachten aber nicht bewerten. Klar hab auch ich schon manch solch eine Bekanntschaft gemacht und es braucht extrem viel wahre Liebe (die die nichts erwartet) damit umgehen zu koennen. Es ist ja wieder der Punkt, dass jeder nur an sich arbeiten kann und nicht an „den anderen)

      Ps: ich verstehe deine Kommentare als bereichernd, selbst wenn sie Kritik waeren 😉

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