Burnout – Berufsunfall oder Denkblockade?

Ein Mensch bewältigt plötzlich seinen Alltag nicht mehr. Obwohl das Wort Burnout so geläufig wie „Grippe“ ist, fragen sich die Leute, wie konnte das passieren oder haben Tipps parat. Wir sehen der Person oft nicht mal an, dass etwas nicht stimmt, geschweige denn erkennen die wahre Ursache. Beiträge über Stress-Reduktion und Yoga-Ratgeber gibts genug, mir gehts heute um die geistige Grundhaltung, die uns zum Burnout begleitet.

Brennt ein Mensch aus (out burning) dann schwelen meist mehrere Denk-Faktoren. Die Ursache ist nicht der aktuelle Job, ein Ereignis oder das ständige „Zuhoch-Drehen“ selbst.

Zuhochdrehen ist Wirkung nicht Ursache

Vielmehr konnte ich starre Gedanken und fehlende Reflektion als Ursachen beobachten:

Zeitabhängiges Denken
– mangelnde Aufmerksamkeit für das Jetzt
– Hängen an der Vergangenheit (damals war es viel besser)
– Starker Fokus auf die Zukunft, Zielstrebigkeit (wenn ich das tue, dann..)
– geistige Flucht/Ablenkung statt Durchleben und Analysieren eines Leids
– unzufrieden mit der aktuellen Situation (unabhängig von der Situation selbst)

Körperliche Abläufe
– Muskelverkrampfung (Anspannung – innere Haltung die sich im Körper spiegelt)
– Adrenalinüberschuss (Stress, Schreck, Sorgen, Ängste)
– Oberflächliche Atmung
– falsche Ernährung (Zucker und Adrenalin peitschen auf )
Aktivitäten-überladung (Freizeitstress, zu viel spannende ! Aktion)
– kleine Krankheiten als Pausen-Möglichkeit ignorieren
Mangelnde Bewegung (fehlender Adrenalinabbau)

Ego und Illusion
– Identifikation miteiner Aufgabe, Job etc. (ich bin Geschäftsführer)
– verhaftet sein mit Illusionen (Titel, Besitz)
– ständiges Glücklichsein als Ziel (alle sind gesund, erfolgreich)

Denkblockaden
– starres Festhalten an Ansichten, Meinungen, statt Lernen und Korrigieren
Gedankengewohnheiten (ich bin wichtig, ich der/die Arme, habe Recht usw.)
– feste Überzeugung, dass erst !) alle Aufgaben erledigt werden müssen
– „danach ruhe ich mich aus“
– Schuldzuweisung (andere für eigene Situation verantworlich machen)
– gierig nach Erfolg, Anerkennung (sich für Un-ersetzbar halten)

Im „normalen Alltag“ können solche Strukturen eine zeitlang funktionieren. Sie verhindern aber Flexibilität für sich verändernde Umstände. Yogis üben ein Leben lang, reale Situationen als gegeben zu erkennen und anzunehmen, veränderte alte abzugeben, dazuzulernen. Es ist wichtig, immer wieder ins Hier und Jetzt als Basis allen Lebens zurück zu kehren, festgefahrene Konstrukte prüfen und auflösen. In Meditation höre ich auf zu denken, kann Abstand gewinnen, verarbeiten, loslassen, auftanken und natürlich mein Denken korrigieren.

Ein flexibler Geist ist feuerfester.

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5 Kommentare zu „Burnout – Berufsunfall oder Denkblockade?“

  1. Das ist eine interessante Zusammenstellung der geistigen Grundhaltung, welche Burnout begünstigen kann.
    Deine Erklärung für den positiven Effekt, den Yoga sozusagen schon präventiv haben kann, überzeugt mich absolut. Auch ich hatte es eine Zeit lang mit Yoga versucht – der Funke hat mich nicht erreicht. Irgendwie wurde ich immer ganz hibbelig. Es gibt vermutlich für nichts eine alleinseelig machende Lösung.
    Als Hilfe, „starre Gedanken und fehlende Reflektion“ aufzulösen, habe ich für mich die Gewaltfreie Kommunikation (GFK – nach Marshall Rosenberg) gewählt, die mich seit über 16 Jahren begleitet.
    Die gewaltvolle Kommunikation mit sich, also die Denke „Ich muss noch“, „Ich sollte nicht“, „ich bin immer zu (langsam, dumm, laut, leise, …..)“, „ich kann doch nicht….“ wird im Zusammenhang mit Kommunikation selten erwähnt. Dieses Muster lässt sich durchbrechen, zuallererst durch Bewusstwerdung. Und hier bin ich wieder bzw. immer noch bei Dir: Auch die GFK bewegt sich im Hier und Jetzt, indem sie bei der wertfreien Beobachtung einer konkreten Situation beginnt. Und dann kann man das „Denken korrigieren“, also die interne und dann auch die externe Kommunikation.

    Danke, Su, für Deinen wertvollen Ostergedanken.

    1. liebe Gabriela
      Das ist spannend, diese Gedanken hatte ich bisher noch gar nicht unter der Lupe Gewaltfreier Kommunikation erkannt, obwohl mich das Thema auch sehr beschäftigt. Da bin ich gespannt, was ich von Dir noch erfahren kann demnächst ;)persönlich. Dankeschön für Dein Feedback.

  2. Hey Su,

    wieder ein 1A Post – danke :).

    Das Burn-Out Profil das du beschreibt hat so ziemlich in allen Punkten auf mich zugetroffen als ich es vor 3 Jahren selbst erleben durfte.

    Das zentrale Problem, bzw. die ursächlichste Motivation die zu diesem Zusammenbruch geführt hat sehe ich generell als die Sehnsucht nach innerer Befriedigung bzw. Erfüllung. So geht es meiner Meinung nach in letzter Instanz um das Finden der Glückseligkeit in sich. Umgangssprachlich und weniger esoterisch ausgedrückt wird es dann üblicherweise als das Streben nach Glück und Lebensfreude bezeichnet.

    Ist dem Menschen die innere Welt noch nicht bewusst geworden hat er somit lediglich die Möglichkeit die Erfüllung über äussere Zustände und Erlebnisse zu suchen. Dies führt jedoch leider zu zwei zentralen Problemen: Alles Materielle ist vergänglich und zudem tritt im Menschen nach recht kurzer Zeit eine Sättigung in Bezug auf das neu Erworbene oder Gewonnene ein.

    Somit hat der rein materiell eingestellte Mensch keine Alternative als immer MEHR (Materielle Güter, Macht und Ansehen) zu wollen um sich innerlich zu stillen.

    Zu dem Thema finde ich diese zwei Videos noch sehr inspirierend:

    Harvard Medical video – What it takes to be happy:

    The Happiness Project:

    Ergo:
    Happiness is not luck, it’s inner development 😉

    Liebe Grüsse
    Markus

    1. lieber Markus
      Herzlichen Dank, auch für die beiden Videos. Das Harvard Medical video hab ich gleich mal genossen. Toll.
      Ich kenne übrigens auch aus eigener Erfahrung einige der Grundlagen zum Burnout, ich hatte einen vor 10 Jahren. So bin ich übrigens auch zum Yoga gekommen. Eigene Erfahrungen scheinen immer noch die beste Schule.

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